Starbucks – wenn das Aushängeschild auf Halbmast hängt

Starbucks schafft es wie kaum ein anderes Unternehmen weltweit zu polarisieren. Während Gegner gegen eine korrupte Unternehmens- und Mitarbeiterpolitik zum Protest aufrufen, schreien Fans weltweit nach der Eröffnung von weiteren Filialen und zelebrieren regelrecht den Genuss der kultigen Getränke des Kaffee-Imperiums.

Auch in Deutschland ist die Skepsis gegenüber der Kaffeekette mittlerweile angekommen, was sich in der Resonanz in den Medien und besonders im Web wiederspiegelt. Neben Fernsehsendungen und Radiobeiträgen berichten zahlreiche Blogs über Starbucks – und das nicht immer positiv.

Starbucks reagiert im Zeichen des Web 2.0 und stärkt seinen Social-Media-Auftritt enorm. Allein auf Facebook findet der User zahlreiche Länderseiten des Unternehmens, auf denen der direkte Kontakt mit dem Kaffeetrinker von heute gesucht wird. Der Facebook-Auftritt von Starbucks Deutschland hat schon jetzt um die 250.000 Fans. Davon posten einige, wie sehr sie den Kaffee von Starbucks lieben, wie sehr die Mitarbeiterpolitik verachtet wird oder wie dankbar man für das Coffee House in der Heimatstadt ist. Etwas fehlt auf keiner Starbucks-Fanpage: der Aufruf von Usern, die auch endlich, ja endlich, in ihrer Stadt ein Starbucks Coffee House stürmen wollen. Und als Antwort darauf die tröstenden Worte eines anderen Fans: “Komm nach München, wir haben gleich drei Filialen bei uns”. Starbucks hat das geschafft, was den Kaffee anderer Cafés erblassen lässt: Die Menschen wollen das Produkt um jeden Preis – und den sind sie auch bereit zu zahlen. Unterstützt wird der Hype um das Produkt Kaffee durch eine gelungene Social-Media-Strategie. Diese geht auf: der direkte Dialog zwischen dem Unternehmen und den Fans ist hergestellt, auch untereinander diskutieren die User über Verbesserungsvorschläge und die neusten Produkte. Starbucks zeigt sich transparent und innovativ, international und aktuell. So werden je nach Saison Aktionen on- und offline gestartet und auf Facebook bekannt gegeben. Zum Beispiel ein “Starbucks Suprising Cup”, der in den Städten verteilt wird oder ein individuell gestaltetes Profilbild, das an die Freunde auf Facebook verschickt werden kann. Starbucks hat das Prinzip der Viralität im Web 2.0 verstanden und umgesetzt.

Umso verwunderlicher ist es, dass die Homepage der deutschen Vertretung von Starbucks ein verkümmertes Dasein fristet und wie ein unliebsames Stiefkind vernachlässigt wird. Weder aus SEO-Sicht noch aus Sicht einer gelungenen Usability präsentiert sich Starbucks Deutschland mit seiner Homepage ungewohnt (wort-)karg und inhaltsschwach. Auch hier kann man von Transparenz und Internationalität sprechen, jedoch nicht unbedingt im positiven Sinne. Denn die Suchmaschinenoptimierung der Seiten scheint vom amerikanischen Vorbild abgekupfert zu sein und ist nicht dem europäischen Standard angepasst. So finden sich beispielsweise im Header und der URL englische Begriffe, die nicht zu de Keywords der Seite passen. Ebenso trifft das Design der Seite nicht den Esprit, den das Produkt “Starbucks Coffee” sonst überall versprüht. Transparenz findet der User hier schon, allerdings im inhaltsleeren Raum, der ihm als schlichte Eleganz und klare Strukturierung schmackhaft gemacht werden soll.

Schmackhaft ist an der Seite wenig, der Appetit auf Kaffee wird nicht geweckt. Außergewöhnlich neutral vermittelt die Seite kaum Emotion und Trubel, von dem das Unternehmen Starbucks sonst geprägt ist. Wir vermissen die Begeisterung für das Produkt Kaffee, die Quirligkeit des Baristas, Stellungnahmen zur Unternehmenspolitik und ein transparentes und angemessenes Design eines Unternehmens, das sich im Netz eigentlich so gut auskennt. Wir freuen uns auf einen Relaunch der Starbucks-Homepage für Deutschland und stehen mit Rat und Tat gerne zur Seite.


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  1. Johannes sagt:

    Also ich trinke den Kaffee schon gerne, aber ich bin kein riesen Fan. Ich komme auch noch ohne Starbucks aus. Ich diskutiere auch nicht im Internet darüber, was neu ist und was besser gemacht werden könnte, es ist “nur” Kaffee.